Arbeit­geber warnen vor Verteu­felung Europas und der Digita­li­sierung

von Karin Breidbach

Günter Fischer: Deutschland wird ohne Europa und ohne Digita­li­sierung ein Entwick­lungsland

 

Günter Fischer, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes vem.die arbeitgeber e.V. hat auf der heutigen (11. Mai 2017) Mitgliederversammlung seines Verbandes in Trier an rund 200 Unternehmer und Gäste einen leidenschaftlichen Appell für Europa und für die Digitalisierung gerichtet.

Deutschland werde ohne die europäische Einheit und ohne große Digitalisierungsfortschritte bald ein Entwicklungsland werden. Einerseits werde Angst vor der Digitalisierung geschürt – „die Roboter nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ – und andererseits werde Europa von vielen Menschen in Deutschland lediglich unter dem Blickwinkel des Einzahlens – „größter Nettoeinzahler der EU“ – gesehen.

Fischer: „Dabei stehen wir im Vergleich zu vielen anderen Nationen blendend da. Und das verdanken wir Europa und dem Fortschritt.“

Die Idee Europas und die europäische Einheit in der EU haben Deutschland mehr als 70 Jahre Frieden und Sicherheit gebracht. Fischer dazu:
 
„In diesen letzten Jahrzehnten durchlief Europa eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Die hat unseren Kontinent in einem bislang nicht gekannten Maße nicht nur Frieden und Sicherheit gebracht, sondern auch Freiheit und Wohlstand. Zur Freiheit gehören auch die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit. Die europäische Union ermöglicht uns gleichermaßen in vergleichsweise hohem Wohlstand und in einer Art zu leben, um die uns viele beneiden.“

Wir haben mit unseren vier Grundfreiheiten 1. der Freiheit des Personen-verkehrs 2. der Freiheit des Warenverkehrs 3. der Freiheit des Dienstleistungsverkehrs und 4. der Freiheit der Finanztransaktionen hervorragende Errungenschaften erarbeitet, die wir nicht freiwillig aufgeben sollten.

Der europäische Binnenmarkt nimmt fast zwei Drittel der deutschen Exporte auf. Damit sichern die gemeinsame Währung und der Binnenmarkt uns einerseits Absatzmärkte und andererseits Arbeitsplätze. Der EURO steht vielerorts in der Kritik, ist aber dennoch die zweitwichtigste Währung der Welt neben dem Dollar. Er hat Europas Rolle als Wirtschaftsmacht gestärkt. Selbst mit einer starken D-Mark hätten wir diese Bedeutung nie erlangen können.“

Günter Fischer schätzt persönlich v. a. die Freizügigkeit bei Reisen, die Niederlassungsfreiheit und die Freizügigkeit im Waren- und Dienstleistungsverkehr. Deutschland als Land der Ideen und Ideengeber lebe vom Austausch und Wettbewerb mit anderen vor allem europäischen Staaten.

Neben der Verunglimpfung Europas sei es derzeit ein besonders beliebtes Spielchen, die Digitalisierung in ein falsches Licht zu rücken und uns Angst davor zu machen. Angst vor menschenleeren Fabriken, vor Robotern oder der künstlichen Intelligenz.

Auch dies sei falsch, so Fischer. Jede industrielle Revolution habe bisher langfristig eher Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Deutschland werde mit Digitalisierung und mit Industrie 4.0 seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern und hochwertige Arbeitsplätze schaffen.
 
Fischer hatte sich zu diesem Thema den humanoiden Roboter Pepper auf die Bühne geholt. Der rechnete vor, dass die Zahl der in der deutschen In-dustrie erwerbstätigen Menschen zu Beginn der dritten industriellen Revolution Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bis heute trotz massiver Automatisierung von 10,1 Mio. auf 10,5 Mio. gestiegen sei.

Günter Fischer appellierte an Unternehmen, Parteien, Gewerkschaften und Regierung, die Chancen der Digitalisierung zu ergreifen und sie mitzugestalten in einem starken Europa. Nur so könne der Wohlstand in Deutsch-land und Europa gemehrt werden.











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