1. Tarif­ver­handlung M+E Mitte und IG Metall Bezirk Mitte

von Melissa Schuster

1. Tarifverhandlung M+E Mitte und IG Metall Bezirk Mitte

 

Darmstadt, 13.03.2020. Die erste Tarifverhandlung zwischen der Verhandlungsgemeinschaft M+E Mitte und der IG Metall Bezirk Mitte für die rund 400.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie (M+E-Industrie) in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland endete am Freitag erwartungsgemäß noch ohne Ergebnis. Die vier in M+E Mitte zusammengeschlossenen Arbeitgeberverbände und die IG Metall erörterten mögliche Lösungen in dieser außergewöhnlich schwierigen wirtschaftlichen Lage: Zum einen befinden sich die M+E-Unternehmen mitten in einem mehrjährigen Strukturwandel, zum andern wird die aktuelle Konjunkturkrise länger dauern. Außerdem wird die Corona-Pandemie zu erheblichen Ausfällen in Wertschöpfungs- und Lieferketten und Umsatzeinbußen führen.

„Ange­sichts der vielfäl­tigen Heraus­for­de­rungen aus Struk­tur­wandel, Rezession und dem sich weltweit verbrei­tenden Corona­virus brauchen unsere M+E-Unter­nehmen einen maßvollen, anwen­dungs­freund­lichen und langjäh­rigen Tarifab­schluss. Nur so erhalten sie Planungs­si­cherheit und genügend Raum für zukunfts­si­chernde Inves­ti­tionen im Rahmen der Trans­for­mation. Dies sind wichtige Bausteine für Unter­neh­mens­si­cherung und damit auch Beschäf­ti­gungs­si­cherung. Was sie nicht brauchen sind Kosten­stei­ge­rungen und Komple­xität", sagte Thorsten Bröcker, Haupt­ge­schäfts­führer des vem.die arbeit­geber e.V.

Nach den voraus­ge­gan­genen beiden Sondie­rungs­ge­sprächen fand auch die weitere Auslotung eines zu diesen vielfäl­tigen Heraus­for­de­rungen und Risiken passenden Maßnah­men­pakets „in konstruk­tiver Atmosphäre" statt. Die Arbeit­ge­ber­seite skizzierte die aktuelle Lage als einen Schraub­stock aus Struk­tur­wandel und Rezession, die bedingt durch den Corona­virus noch eine neue Dimension der Gefährdung des erfolg­reichen weltweiten wirtschaft­lichen Wirkens erhalten hat. Die Produktion in der deutschen M+E-Industrie lag 2019 um 5,2 Prozent unter dem Vorjah­reswert; in der Schlüs­sel­in­dustrie Automotive sogar um 11,6 Prozent. Rückgänge verzeich­neten auch die Elektro-Industrie, die Hersteller von Metal­ler­zeug­nissen und der Maschi­nenbau. Der Auftrag­s­eingang war um 6,2 Prozent rückläufig. Die Beschäf­tigung sinkt seit Mai 2019 stetig – monatlich deutsch­landweit um etwa 3.000 Arbeitsplätze. Diese Rezession wird nach Einschätzung der Unter­nehmen über 2020 hinaus anhalten – und sich mit den unkal­ku­lier­baren Folgen des Corona­virus weiter verschärfen. Zugleich können bzw. sollten die M+E-Unter­nehmen ihre Inves­ti­tionen in die Zukunfts­si­cherung nicht zurück­fahren, wenn sie weiter vorne dabei sein wollen.

„Der Einbruch der Konjunktur hat unser Kosten­problem erheblich verschärft: Während die Arbeits­kosten 2019 noch einmal deutlich um fast 3,5 Prozent gestiegen sind, ist die Produk­ti­vität in der M+E-Industrie um 4,5 Prozent einge­brochen. Die Folge ist ein Anstieg der Lohnstück­kosten um gut 8 Prozent. Keine Frage: das belastet die inter­na­tionale Wettbe­werbs­fä­higkeit unserer ME-Unter­nehmen ganz erheblich“, so Bröcker. Zum Stand der Verhand­lungen führte Bröcker aus, dass bei den meisten Themen noch sehr unter­schied­liche Auffas­sungen bestehen. Die IG Metall werde sich entscheiden müssen: ob sie in Richtung Mindest­stan­dards denke und damit dem Flächen­ta­rif­vertrag eine echte Zukunft beschere, oder ob sie ihre rechtlich und verbands­po­li­tisch unerfüll­baren Forde­rungen nach Eingriffen in die unter­neh­me­rische Freiheit aufrecht­er­halte. „Das würde die angestrebte Kompro­miss­findung bis Ostern äußerst schwierig machen", so Bröcker. Dabei hätten die Arbeit­geber mit der Verein­barung von Pforzheim schon 2004 einen gangbaren Weg der Stand­ort­si­cherung tarifiert, auf dessen Prinzipien man gut zurück­greifen könne.

Die 2. Tarif­ver­handlung für den Tarif­bezirk Mitte wurde auf den 3. April festge­setzt. 

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