M+E-Konjunktur im zweiten Quartal 2019: „Die Rezession ist da“

von Karin Breidbach

Produktion mit deutlichem Minus. Auftragseingänge rückläufig.

Die Metall- und Elektro­in­dustrie (M+E) in Deutschland befindet sich in der Rezession. Nach einem Rückgang der Produktion um 1,6 Prozent im ersten Quartal (gegenüber dem vierten Quartal 2018) fällt auch das zweite Quartal mit - 2,4 Prozent deutlich negativ aus. Insgesamt lag die M+E-Produktion im 1. Halbjahr 2019 um minus 4,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjah­res­zeit­raums. „Zwei Quartale nachein­ander Rückgang – damit haben sich unsere Warnungen vor einer Rezession in der M+E-Industrie als berechtigt erwiesen. Man muss für M+E nun leider feststellen: die Rezession ist da.“, so Gesamt­metall-Chefvolkswirt Dr. Michael Stahl.

Der Rückgang in der Produktion traf die Automo­bil­in­dustrie mit -12 Prozent gegenüber dem Vorjah­res­halbjahr besonders hart. Auch in der Elektro­in­dustrie (-3,5 Prozent) und im Maschi­nenbau (- 1,7 Prozent) bleibt die Produktion deutlich unter den Vorjah­res­werten. Kurzfristig ist keine Verbes­serung in Sicht, da sich auch die Auftrag­s­ein­gänge weiter im Rückwärtsgang befinden (minus 2,1 Prozent). Im zweiten Quartal waren vor allem der Maschi­nenbau mit minus 2,5 Prozent und die Elektro­in­dustrie mit minus 3,7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal von einem Rückgang betroffen. Der Fahrzeugbau stabi­li­sierte sich auf niedri­gerem Niveau.

Auch die Stimmung in der Branche deutet nicht auf Optimismus in den Unter­nehmen hin. Für die kommenden sechs Monate erwartet eine deutliche Mehrheit eine Verschlech­terung der Geschäftslage. Die negative Stimmung wird gespeist von einer zunehmend angespann­teren Auftragslage. So geben im Juli 2019 30 Prozent der Unter­nehmen „Auftrags­mangel“ als Haupt­grund für Produk­ti­ons­be­hin­de­rungen an.

Diese schwierige Lage schlägt inzwi­schen auch auf die Beschäf­tigung durch. Im Mai gab es zum ersten Mal seit neun Jahren saison­be­reinigt einen leichten Rückgang der Beschäf­tigung in der M+E-Industrie. Die Beschäf­ti­gungs­pläne der Unter­nehmen deuten darauf hin, dass auch hier so schnell keine Besserung zu erwarten ist.

„Die aktuellen Zahlen spiegeln wider, was sich bereits im ersten Quartal abgezeichnet hat“, erläu­terte Gesamt­metall-Chefvolkswirt Dr. Michael Stahl. „Die M+E-Unter­nehmen sind von den Ausein­an­der­set­zungen im Welthandel, vom weiter drohenden ungere­gelten Brexit und von der aufge­flammten Klima­de­batte verun­si­chert. Aber auch Inves­toren im In- und Ausland halten sich derzeit zurück. Dies trägt zur Eintrübung des Konjunk­tur­bildes merklich bei. Trotzdem gehen wir bislang davon aus, dass wir eine konjunk­tu­relle Delle erleben. Die ist nicht zuletzt auch deshalb schmerzhaft, weil die Politik in den guten Jahren die Umver­teilung und die Ausweitung der Sozial­aus­gaben in den Mittel­punkt gestellt und wenig für die Wettbe­werbs­fä­higkeit der Unter­nehmen und des Stand­ortes getan hat“.

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